


Wenn in der Nachbarschaft unterwegs sind, grüßen die Leute. Entweder vom Traktor, oder aus dem Auto heraus, oder im Cafe. Ein Gefühl, Teil der Gemeinschaft zu sein. Freundliches Lächeln, manchmal ein kurzer Schwatz, – meist auf portugiesisch, aber es gibt sogar ein paar ältere und auch jüngere einheimische Leute, die gerne ihre Deutsch-Kenntnisse praktizieren. So fühlt sich Ankommen an.
Die portugiesische Mentalität – offen, hilfsbereit, gelassen
Portugiesen haben einen spürbaren Sinn für Familie und Gemeinschaft. Sie sind überwiegend ernsthaft, aber herzlich, interessiert. Aber vor allem sind sie offen. Wenn Sie in ein Dorf ziehen, werden Sie bemerkt. Und dann werden Sie angesprochen. Der Nachbar bringt Oliven vom eigenen Baum, die Bäckerin fragt, wie es Ihnen geht, und der alte Mann erzählt Ihnen von der Zeit in den 80ern als er in Deutschland gearbeitet hat – Mit dem deutsch, an dass er sich noch erinnert.
Was mir aufgefallen ist
- Hilfsbereitschaft: Wenn Sie mit dem Auto liegenbleiben, halten die Leute an und helfen
- Gelassenheit: "Calma" (ruhig), in der Ruhe liegt die Kraft, eine Lebenseinstellung
- Familie: Sonntags trifft sich die ganze Familie – drei Generationen an einem Tisch
- Stolz: Auf das Land, die Geschichte, den Wein, den Fisch – und darauf, Portugiese zu sein
- Interesse: Die Leute möchten wissen, wer Sie sind, woher Sie kommen, warum Sie hierher gekommen sind

Diese Offenheit hat uns die Integration leicht gemacht. Es ging ganz zwanglos. Wir wurden einfach aufgenommen – und leben den gleichen Stil. Der Hände Arbeit steht hoch im Kurs und erntet Respekt. Man bestellt das Land und das verbindet.
Sprache – einfacher als gedacht
Viele schrecken vor dem Portugiesischen zurück. Ja, es ist keine leichte Sprache. Die Aussprache ist gewöhnungsbedürftig, und die Nasallaute klingen am Anfang seltsam. Aber: Man kommt viel weiter, als man denkt.
Lesen ist einfach
Portugiesisch ist eine lateinische Sprache. Wenn Sie Französisch, Spanisch oder Italienisch kennen, erkennen Sie viele Wörter wieder. Aber auch ohne Vorkenntnisse: Geschriebenes Portugiesisch kann man oft intuitiv verstehen.
Beispiel: "Informação" – Information, "Nacional" – national, "Telefone" – Telefon.
Sprechen ist Übungssache
Die Portugiesen sind nachsichtig. Wenn Sie versuchen, ein paar Worte zu sprechen, wird das sehr positiv gesehen. Und sie helfen – korrigieren sanft, sprechen langsamer, suchen nach Wörtern auf Englisch, oder sogar deutsch.



Die ersten Worte auf Portugiesisch
"Bom dia" (Guten Tag) und "Obrigado" (Danke) fängt man an. Dann kommen "Quanto custa?" (Was kostet das?) und "Uma cerveja, faz favor" (Ein Bier, bitte). Nach ein paar Monaten können Sie einfache Gespräche führen – mit Fehlern, aber die Leute werden verstehen. Zu Beginn versteht man immer viel mehr, als man sprechen kann. Und wenn es mal nicht reicht, helfen Englisch oder Hände und Füße.
Sprachkurse vor Ort
In vielen Gemeinden gibt es Portugiesischkurse. Schauen Sie im Web. Oder suchen Sie sich einen Tandempartner – jemanden, der Deutsch lernen will und Ihnen Portugiesisch beibringt. Das ist auch möglich, denn es gibt junge Leute, die hier deutsch lernen möchten.
Integration – so klappt's
Unsere junge Nachbarin hat uns direkt zu Ihrer Familie zum Wildschwein-Essen eingeladen. Und wir haben deren Familie und Freunde kennengelernt. Unsere anderen Nachbarn schenken uns immer mal wieder Überschüsse von Ihren Ernten. Die besten Tomaten, die ich je gegessen habe, Kürbisse, Gurken, Salat...

Integration passiert nicht im Büro. Sie passiert auf der Straße, im Café, beim Bäcker. Hier sind ein paar Dinge, die mir geholfen haben:
- Grüßen: Jeden Morgen, jeden Nachmittag, jeden Abend – grüßen Sie die Leute. "Bom dia", "Boa tarde", "Boa noite". Das öffnet Türen.
- Dabeisein: Gehen Sie auf den Markt, trinken Sie einen Kaffee an der Theke, setzen Sie sich in die örtliche Tasca (Kneipe). Die Leute werden mit Ihnen reden.
- Helfen lassen: Wenn Sie Hilfe brauchen, fragen Sie. Die Portugiesen helfen gern – und fühlen sich geehrt, wenn Sie sie fragen.
- Interesse zeigen: Fragen Sie nach den Enkeln, nach der Ernte, nach dem Fußballverein. Die Leute lieben es, sich auszutauschen.
- Eigene Kultur teilen: Bringen Sie mal deutsche Kekse, oder deutsches Bier mit, erzählen Sie von Ihrer Heimat. Die Neugier ist beidseitig.
Feste und Traditionen – mitten im Leben
Portugal liebt Feste. In jedem Dorf gibt es mindestens einmal im Jahr eine "Festa" – zu Ehren des Schutzheiligen, der Ernte, des Weins. Dann wird die Straße geschmückt, es gibt Musik, Tanz, und alle sind dabei. Als Neuling werden Sie automatisch eingeladen. Und wenn Sie kommen, gehören Sie dazu.
Doch bei aller Offenheit respektiert man auch Ihre Privatsphäre – Die Menschen sind offen, helfen gerne, laden Sie ein, aber sie sind dabei überhaupt nicht aufdringlich.
Wichtige Feste im Jahreslauf
- Festa de São João (23./24. Juni): In Porto wird die ganze Stadt zur Party
- Festa do Senhor Santo Cristo (Mai): Auf den Azoren, aber auch vielerorts auf dem Festland
- Festa da Nossa Senhora da Conceição (8. Dezember): Landesweit
- Karneval: In vielen Städten wird ausgelassen gefeiert
Was mir sonst noch auffiel
Die Kirche
Auch junge Leute gehen hier in die Kirche. Nicht alle, aber viele. Die Kirche ist nicht nur ein Ort des Glaubens, sondern auch ein sozialer Treffpunkt. In unserer Nachbarschaft gibt es eine Kirche der Fischer direkt am Strand – Nach der Messe, der "Missa", kann man danach noch eine Zeit im Strandcafe verbringen und dem Klang der Wellen des Ozeans lauschen.
Die Ruhe
Portugiesen können emotional sein – auf dem Markt, beim Fußball, beim Fest. Aber sie können auch wunderbar schweigen. Wenn Sie abends auf Ihrer Terrasse sitzen und nichts hören außer Zikaden und dem entfernten Rauschen des Meeres, dann verstehen Sie, warum.
Die Zeit
Die Portugiesen leben einen anderen Rhytmus. Aber entgegen der allgemeinen Vorstellung des südeuropäischen Lebensstils haben wir hier eine hohe Arbeitsmoral, Qualität und Zuverlässigkeit erlebt. Man macht eine ausgiebige Mittagspause mit reichlich Essen, aber man kann nach den Leuten die Uhr stellen. Punktlich, Lösungsorientiert und zuverlässig.
Mein Rat für Neuankömmlinge
So gelingt die Integration
- Lernen Sie ein paar Worte Portugiesisch. Zehn reichen für den Anfang.
- Gehen Sie raus. Sitzen Sie nicht nur im Haus. Fragen Sie die Leute.
- Sagen Sie ja. Wenn Sie eingeladen werden, kommen Sie. Trainieren Sie Ihr Sprachzentrum
- Seien Sie geduldig. Das Leben funktioniert auch ohne Hektik – ganz besonders hier.
- Lächeln Sie. Ein Lächeln ist universell.
Ich habe in Deutschland viele Jahre neben meinen Nachbarn gewohnt und eher sehr selten ein Wort mit ihnen gewechselt. Man fühlt sich einfach zu oft getrieben und hat nicht die Ruhe. Und kultiviert seine Privacy, um Ruhe zu finden. Hier kennen wir nach fast drei Jahren das halbe Dorf und umgekehrt. Aber Ruhe haben wir trotzdem. Das ist das eigentliche Geschenk Portugals.
"Der Nachbar hat mein Grundstück mit dem Traktor gemäht. Er bot es mir von sich aus an, als er sah, dass ich es mit dem Kantenschneider machte, meinte, mit dem Traktor ginge das doch viel schneller und leichter, ohne irgendeine Gegenleistung zu erwarten. Man sieht einfach, wenn jemand etwas braucht." – Und packt ebenfalls mit an. So entsteht Vertrauen.










